Die urbane Spinnstube, Episode 77: Feminismus und Mütter.

Heute habe ich einen lieben Gast, nämlich Maria, die mit mir über Feminismus und Mutter sein und Mütter und Mütterideale usw. redet, und das wird den Grossteil der Episode in Anspruch nehmen. Aber es gibt davor noch etwas übers Stricken (Patentmuster stricken) und über das Baumwolle spinnen mit Supportspindeln.

i knit so i don't kill people

Zuerst mal wie immer der Download-Link:

hinweisgrafik podcastdownload
http://www.spiritvoices.de/pod/ep77.m4a

download episode 77

Wenn ihr die Datei als mp3 benötigt für euer Abspielgerät, könnt ihr die Adresse oben kopieren und hier im Online-Konverter eingeben. Dieser konvertiert sie direkt von meinem Webspace und bietet euch danach die Datei als mp3 zum Herunterladen an.

Housekeeping
Vielen Dank für alle Kommentare und Diskussionen!
Und fürs Flattren im Oktober an: Amerasu, Gudrun, Kamadres, Jademond, DamnedSnob und Ryuu.
Ich vergass letztes Mal den neuen Videopodcast auf deutsch anzusagen:
Wool and I
Ausserdem habe ich More than Knitting erwähnt und Susannes Handgemacht-Folge über Zeitmanagement.

Stricken (00:06:30)
Ich stricke gerade für eine Aktion der italienischen Crowdknitting Cafés zum internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen ein Stück roten Acrylschal. Dafür habe ich Patent und Halbpatent ausprobiert.
Auf englisch heisst es Brioche Stitch und hier gibt es eine Webseite mit allen möglichen Varianten dieser Strickweise:
The Brioche Stitch

Spinnen: (00:15:30)

Ich spinne Baumwolle auf Supportspindeln.

Phang
Russische Spindel
Tibetische Spindel

Videos:
Tibetische Spindel (Fleegle)
Russische Spindel (Fleegle)
Tutorial über Spinnen auf Supportspindeln (englisch von Beth – Spindlicity/The Spinning Loft)
kurzes Tutorial von mir zum Spinnen von Baumwolle auf der Supportspindel auf deutsch

Politschwafel (ab 00:23:25)

Hier geht es um Mutter sein und Feminismus.
Fragen, Themen, die wir angeschnitten haben:
– Ist Mutter sein oder z.B. Mutter und Hausfrau sein etwas, das Feminist_innen ablehnen und abwerten? Warum kommt es so oft zu Streit zwischen Feministinnen und Hausfrauen_müttern?
– Mutter sein und Feministin sein muss gar kein Widerspruch sein, als Mutter bin ich ja auch Frau* und vieles Andere auch, und habe auch andere Interessen als das Muttersein.
– Intersektionalität: Über kritisches Weißsein zum Feminismus – über Feminismus zum Nachdenken über mein Weiß_sein.
– Muttiblogs: Eigentlich eine tolle Sache, Kinder anders erziehen wollen, Kinder stärken – jedoch gehen da oft auch *Ismen ab.
– Erziehung als problematischer Begriff – Nichterziehung und Adultismus
– Mütter werden von der Gesellschaft nicht wertgeschätzt, Kinder betreuen wird oft als „Nichttätigkeit“ unsichtbar gemacht; wenn dann noch Frauen* fordern, ein Leben abseits von Kindern und Kinderbetreuung führen zu dürfen, bekommen Mütter* vermittelt: Deine Tätigkeit ist nichts wert und wir wollen sie auch nicht machen. Daher kann ich (kinderlos) Mütter verstehen, die sich angegriffen fühlen von Feministinnen*
– In einem Artikel über Mädchenbücher wurde mal kritisiert, dass Schwangerschaft und Kinder kriegen nie thematisiert wird, weil dafür vor lauter queerness kein Platz mehr ist. Schade, dass Queerness und Kinder bekommen da so als Gegensätze erscheinen; Schwanger werden/kinderlos sein/alle Sexualitäten und auch Asexualität sollte thematisiert werden und vertreten sein.
– Schwangerschaft wurde früher in Kinderbüchern auch nicht erwähnt, aber aus Gründen der Prüderie.
– Kinderwunsch und Kind betreuuen sollte auch für und von Menschen, die keine Frauen/Mädchen* sind, thematisiert werden. Und das Leben mit Kindern sollte auch mehr thematisiert werden für Menschen, die Kinder betreuuen, ohne Eltern zu sein (oder ohne leibliche Eltern zu sein).
– Erwähnung Heiter Scheitern, die viel über Regenbogenfamilien, Queer und Kind usw. geredet haben in ihrem Podcast.
– Frauen* die Druck bekommen, Kinder bekommen zu sollen: Wann ist es denn soweit? Und wenn 1 Kind da ist: Wann kommt denn das zweite? Arme, junge Frauen hören dagegen: Mit dem nächsten lässt du dir aber hoffentlich noch Zeit! Noch eins muss ja nu nicht sein?
– sind kinderlose Frauen in einer privilegierten Stellung gegenüber Frauen* mit Kindern, weil Karriere/Beruf/Selbstverwirklichung gesellschaftlich aufgewerteter ist als Mutterschaft? Privilegienbegriff ist hier schwierig und sollte evtl. nicht verwendet werden, da du einerseits mehr Berufschancen hast ohne Kind, andererseits es doch auch ein Privileg ist, Kinder einfach so bekommen zu können.
– Alleinerziehende (double parents) haben die sozialpolitische A…karte gezogen, sie sollten aber nicht als Bedürftige und Zu-Rettende gesehen werden, sondern respektiert und unterstützt werden. Vom Bildungssystem, zum Beispiel.
– Mütter* in der feministischen Szene unterstützen sich gegenseitig, ihre Texte werden aber unserem Gefühl nach weniger weit gestreut und erreichen weniger Leute als andere feministische Texte.
– Ressourcen für feministische Mütter*:
Fuckermothers
feminist Mum
glücklich scheitern
Dr. Mutti
me, myself and child (das Blog von Maria3ks)
Als Mensch verkleidet
– Hängen manche Muttiblogs die Latte für Mütter so hoch, dass sie kaum noch erreicht werden kann? Eine sehr berühmte Muttibloggerin, die oft kritisiert wird, weil ihre Welt so heil ist, ist SouleMama. Sie kann von ihrem Blog wahrscheinlich inzwischen leben ;)
– toll und bestärkend zu lesen, dass Andere auch Probleme haben, an Dingen scheitern, mensch nicht alleine damit ist. Andererseits ist es nicht auch verständlich, nur Schönes öffentlich zu machen, gehen die Probleme denn alle Welt etwas an? Was ist mit der Privatsphäre der Nichtbloggenden (Kinder, Partner_innen…)?
– Mit Kindern bloggen anstatt Kinder als Objekte der Erzählung haben
– nochmal Privatsphäre und Bloggen – ohne Fotos und Namen der Kinder. Blogs über ältere Kinder (ab Grundschule) gibt es kaum noch, vielleicht auch wegen der entstehenden Privatsphäre der Kinder. Obwohl das so eine spannende Zeit ist, wenn die Kinder aus dem Kindergarten auf einmal in dieses Schulsystem rein kommen.
– Ansprüche, die von eine_r selbst kommen oder von aussen kommen. Wie verarbeitet mensch die, ohne das Kind vorzuführen.
– „Ich bin manchmal nicht gerne Mutter“ – Dinge aussprechen, um dann an der Situation zu arbeiten. Auch liebevolle und engagierte Mütter* haben Momente, wo sie denken: „Ich erwürg‘ es!“
– Nicht alle Mütter lieben ihre Kinder. Das wird tabuisiert. Es gibt auch Mütter* die ihre Familie, ihre Kinder aus irgendwelchen Gründen verlassen. Da gibt es einen Text auf dem Fuckermothers-Blog zu.

Am Ende gibts noch einen
Linktip
Ich habe seit der letzten Folge noch an einem längeren Text über Selbstfürsorge gesessen.
Also, wenn ihr Lust habt:

Selbstfürsorge – I did it my Way!

Viel Spass beim Hören und bis zum nächsten Mal!

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